Maderanertal – Hawaii der Schweiz

Das Maderanertal liegt im Kanton Uri zwischen Silenen und Gurtnellen, gleich bei der A2 Autobahnausfahrt Amsteg. Ich weiss nicht wie viele es kennen aber für mich hat es seit meiner Kindheit eine spezielle Bedeutung. Mein Vater ist in Silenen aufgewachsen und seine Eltern haben im Maderantertal, auf der Stössialp, ein Ferienhaus gebaut. Jeden Sommer war mein Vater mit seiner Familie in diesem Ferienhaus.

Kindheitserinnerung

Auch für mich war das Haus in der Stössi ein beliebter Ferienort. Seit ich klein war, ging ich mit meinen Grosseltern und Eltern dorthin. Es gab keine Dusche, ein angebautes WC und Massenschläge. Mich hat das alles nie gestört. Solang ich Spiele spielen oder auf dem Liegestuhl faulenzen konnte, war ich zufrieden. Ich war nun seit ca. 10 Jahren nicht mehr da – das wollte ich ändern.

Die Anfahrt mit dem Zug von Luzern ist ganz einfach. Es fährt ein direkter Zug nach Erstfeld und von da ein Postauto nach Bristen. Bristen ist der Ausgangspunkt im Maderanertal. Mit dem Golzernbändli kann man nach Golzern hochfahren oder am Weg entlang tiefer ins Maderanteral wandern. Wir entschieden uns für die zweite Option. Es war noch früh in der Saison und nicht viele Wanderer waren unterwegs. Die meisten die unterwegs waren, entschieden sich auch für das Golzernbändli und darum waren wir fast alleine auf dem Wanderweg.

Maderanteral (20 von 20)
Ein Blick auf den Kärstelenbach und die Berge.

Rundwanderweg

Unser Ziel war ein Rundweg: Bristen – Hotel Maderanertal – Blindensee – Stössialp – Bristen. Das ist eine schöne Runde, wo man viel vom Maderanertal sieht, nicht zu steil ist und man gut in einem Tag bewältigen kann.

Der erste Teil der Strecke ist auch gleich der steilste. Am Kästelenbach entlang, manchmal im Schatten, manchmal in der Sonne, geht es zur Legni, ein kleines, härziges Restaurant welches man in ca. 30min erreicht. Die meisten brauchen zu diesem Zeitpunkt noch keine Pause aber es ist so schön, dass man sicher auf dem Nachhauseweg etwas trinken muss.  Mit viel Liebe haben sie aus wenig, sehr viel gemacht (leider haben wir kein Foto gemacht)! Das gute am ersten Teil der Wanderung ist, dass es sehr viele Brunnen mit frischem Quellwasser hat und man auch bei grosser Hitze, nicht verdursten muss und seine Flaschen immer wieder füllen kann.

Nach der Legni gehts weiter hoch, weniger steil und mehr im „Wald“. Es öffnet sich auch langsam das Tal und man kann den ersten Blick auf die imposanten Urnerberge erhaschen. Ein stetiger Begleiter der Wanderung ist der Kästelenbach. Ein tobender und reissender Fluss, welcher sich durch das ganze Tal schlängelt. Als ich klein war, habe ich viele Geschichten über andere Kinder gehört, welche in den Bach gefallen sind, mitgerissen wurden und ertranken. Darum habe ich mich nie in den Bach getraut.

Hotel Maderanertal

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Der „Teufelsast“ im Wald Richtung Hotel „Maderanertal“

Weiter geht es also dem Weg entlang, an kleinen Alpen vorbei (auch an der Stössialp aber die besuchen wir auf dem Rückweg) hoch zum Hotel Maderanertal. Das Hotel Maderanteral wurde 1864 von einem Ehepaar erbaut. Es hiess zuerst Hotel „Zum Schweizerischen Alpenclub“ und erfreute sich grosser Beliebtheit. Das Gipfelstürmen wurde immer populärer und das Maderanertal ein beliebter Ausflugsort. Das Hotel „Zum Schweizerischen Alpenclub“ baute immer weiter aus und war am Ende ein kleines Dorf, mit einer eigenen Bäckerei und Arztpraxis. Jetzt ist es wieder ein einfaches Hotel für Wanderer. Für mich ist es das Hotel mit dem besten Coup Dänemark – soviel „Schoggisauce“ und Rahm bekommt man nirgends!

So schön wie Hawaii und Madeira!

Maderanteral (6 von 20)
Wow!

Nach dem Hotel gingen wir rechts runter Richtung Blindensee. Als wir den zick-zack Weg nach unten bewältigt hatten, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Es war so schön! Vor uns hatte sich eine Naturpracht entfalten, welche ich bis jetzt nur in Hawaii oder auf Madeira gesehen habe. Alles war grün, vor uns war ein kleines Flussbett und links und rechts steile Berge mit Wasserfällen. Ich konnte mich an diesen Teil des Tals nicht mehr erinnern. Zum Blindensee läuft man nun also durch dieses Naturspektakel und zumindest wir, völlig alleine. Der Weg ging weiterhin entlang des Kärstelenbach und wieder ein bisschen hoch. Nach ca. 40min sollte man den Blindensee erreichen. Leider hat es da keinen See. 🙂 Wir haben die ganze Gegend abgesucht aber ausser ein paar Häuschen und einem Brunnen (wo es auch Sirup und Gläser gab), konnten wir keinen See finden. Gross enttäuscht waren wir aber nicht, denn die Schönheit der Natur konnte für alles entschädigen!

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Stössialp

Auf demselben Weg ging es wieder zurück aber anstelle hoch zum Hotel zu laufen, kann man über den Kärstelenbach gehen und auf der anderen Seite alles wieder zurücklaufen, bis man die Stössialp erreicht. Wenn man keine persönliche Beziehung zu ihr hat, ist sie nicht wirklich speziell. Einfach ein paar kleine Häuser, welche auf der Alp verteilt sind. Vorne am Weg hat es noch eine Sennerei, wo man Käse, Joghurt, Wurst und Milch kaufen kann.

Da der Cousin meines Vaters jedoch seit ein paar Jahren zum Häuschen unserer Familie schaut und praktisch jedes Wochenende in der Stössi verbringt, wollten wir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und machten für einen Kaffee halt. Früher war es angeblich üblich, das fremde Wanderer bei meinen Grosseltern für einen Kaffee vorbei gingen. Der Wanderweg ging da noch mitten durch die Stössialp und meine Grossmutter hat es geliebt, die Wanderer einzuladen. Jetzt wo der Wanderweg nicht mehr direkt am Haus vorbei geht, sind die Besuche seltener geworden. Falls ihr jedoch an der Stössialp vorbei wandert und ganz oben eine Schweizer Flagge sieht, geht doch hoch und fragt nach einem Kaffee, wer auch immer gerade da sein wird (vielleicht sogar auch wir), wird sich sicher über Gäste freuen.

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Ein Blick auf die Stössialp

Nach der Stössialp geht es wieder den selben Weg runter, an der Legni vorbei nach Bristen und nach ca. 4-5 Stunden ist man wieder am Ausgangspunkt.

Obwohl ich das Maderanertal kenne, hatte ich vergessen wie schön es ist! Wir werden sicher wieder zurückgehen und den Weg über die Golzern ausprobieren oder zu einem späteren Zeitpunkt die Wanderungen zu der Windgellen und der Hüfihüte unternehmen.

Die Wiesen, die vielen Schmetterlinge, die Berge, die Wasserfälle und auch ein bisschen die Einsamkeit haben uns sehr gefallen. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle!

s'Wichtigste:
Dauer: ca. 5 Stunden 
Schwierigkeit: Einfach
Aussicht: Man sieht imposante Berge und tolle Wasserfälle  
Spezielles: Der Chärstelenbach, die Blumenwiesen und die Wasserfälle
Maderanteral (8 von 20)
Zum Abschluss noch ein Bild meines Lieblingswasserfalls.

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